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Die französische Revolution: Sade, Robespierre und die Folgen

9. Dezember 2012

Momentan lese ich des Ritters „Konservative Weltsicht als Chance“, welche ursprünglich unter dem Titel „Die recht gestellten Weichen“ erschienen ist. Das erste Kapitel kann man als geschichtsrevisionistisches Glanzstück bezeichnen, gibt sie doch mal die andere Seite der französischen Revolution wider. In den staatlichen Schulen lernen wir seit Jahrzehnten, welch glorreicher Abschnitt der europäischen Geschichte diese „Abschaffung des feudalabsolutistischen Ständestaats sowie die Propagierung und Umsetzung grundlegender Werte und Ideen der Aufklärung“ (Wikipedia) dargestellt hat.

Aber beginnen wir einmal mit der Sturm auf die Bastille, in der ein Mann eine entscheidende Rolle spielte, die für den Gang der Dinge eine ebenso grosse Rolle spielte, wie der masochostische Neurotiker Jean Jaques Rousseau – der pädagogische Romane schrieb und seine Kinder in Waisenhäuser abschob: der Marquis de Sade.

Er ist zumindest nur als Namensgeber des „Sadismus“ bekannt. Doch in seinen endlosen pornographischen und sehr langweiligen Schriften gibt es lange philosophische und politische Abhandlungen, in denen der „Göttliche Marquis“, ein bisexuelles Ungeheuer, sich als rabiater linksdralliger, materialistischer Atheist ausweist. Er war aber auch für den Sturm auf die Bastille weitgehend verantwortlich, denn auf Bitten seiner Schwiegermutter wurde er dank eines lettre de cachet in der Bastille gefangen gehalten – zusammen mit 7 Geldfälschern, Falschspielern, Narren und Schuldenmachern. Von dort hetzte er aus einem Trichter brüllend die Leute im quartier auf, ihm und anderen dort unschuldig Schmachtenden zu Hilfe zu kommen und sie zu befreien. Der Gouverneur der Bastille, de Launay, war hilflos. Er wagte es nicht, den Gefangenen in eine Zwangsjacke (oder in den Keller) zu stecken und bat den König, ihn von diesem Häftling zu befreien.

[…]

Doch schon der Sturm auf die Bastille am 14. Juli und seine unmittelbaren Folgen zeigten, worum es sich in der Französischen Revolution grundsätzliche handelte: um die Folgen eines von der linksdralligen Schickeria vorbereiteten moralischen Zusammenbruchs. De Launay verhandelte mit dem Mob, der ihm und der winzigen Besatzung, die aus Invaliden und Schweizer Söldnern bestand, einen freien Abzug versprach. Doch kaum waren die Verteidiger im Freien, überfiel die das Gesindel und ermordete sie auf die viehischste Weise. Vor allen wurden die Invaliden, die nicht fliehen konnten, in Stücke gerissen. Umsonst versuchte man de Launay zu köpfen: die Messer waren zu stumpf. Man holte einen Fleischerburschen qui savait faire les viandes, um endlich dem toten Gouverneur den Kopf, der im Triumph in der Stadt herumgetragen wurde, vom erkalteten Leib zu trennen. Dann wurde die Bastille, ein gemütlich-luxuriöses Gefängnis für den Adel(!), vom „siegreichen Bürgertum“ demoliert.

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…, so versuchte Robbespierre nicht nur alle Franzosen und Französinnen in eine Uniform zu stecken (die „blauen Ameisen“ Maos!), sondern auch alle Kirchtürme als „undemokratisch“ abzutragen: sie waren höher als die anderen Gebäude und fielen so durch ihr „aristokratisches“ Gebaren auf. (In Strassbourg bereitete man sich schon auf diese barbarische Verstümmelung des Münsters vor.) Ein anderes zu lösendes Problem war aber die Sprache der Elsässer, qui ne parlent pas la langue républicaine, also das Französische. Es wurde der Vorschlag gemacht, den Elsässern und Deutschlothringern die Kinder wegzunehmen oder auch die gesamte deutschsprechende Bevölkerung über ganz Frankreich zu zerstreuen, das aber waren kostspielige Pläne und deshalb wurde auch eine praktischere Lösung ausgeheckt: die guten Elsässer samt und sonders auszurotten, abzuschlachten.

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Die Gefängnisse wurden in wahrem Mordrausch geleert, wobei man aber nicht nur politische Gefangene, sondern auch Dirnen und jugendliche Kriminelle abschlachtete, oft halbe Kinder. Szenen, die an die désastres de la guerre von Goya erinnern, spielten sich in Bicetre und in der Salpetière ab. (Die Ausrottung der Prostituierten wurde auch von den Liebkindern der Linken, den spanischen Republikanern erbarmungslos betrieben, wobei aber die Verbreitung von Geschlechtskrankheiten unter den wackeren Verteidigern der Demokratie das Motiv der „Antifaschisten“ war.)

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Auch die völlig natürliche Hinwendung der Demokratie zum Sozialismus, von der politischen zur finanziellen Gleichheit, begann schon damals. Es ging ja nicht nur gegen den Adel, sondern auch gegen die Reichen, die man oft nur dank ihres Vermögens notte chère mère la guillotine überantwortete. (Tatsächlich w

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General Westermann berichtete schliesslich dem Wohlfahrtsausschuss: „Es gibt keine Vendée mehr, meine republikanischen Mitbürger! Sie ist unter unseren Säbeln gestorben mitsamt den Frauen und Kindern. Ich habe sie gerade in den Sümpfen und Wäldern von Savenay begraben. Im Sinne eurer Befehle wurden die Kinder unter den Hufen der Pferde zertrampelt, die Frauen abgeschlachtet, damit sie keine Briganten mehr in die Welt setzen. Die Strassen sind voller Leichen, mancherorst bilden sie ganze Pyramiden. In Savenay finden Massenerschiessungen statt, den es kommen immer wieder Briganten, die sich ergeben. Wir nehmen keine Gefangenen, dann man müsste ihnen das Brot der Freiheit geben, dich das Erbarmen hat nichts mit dem Geist der Revolution zu tun.“

[…]

Ganz grauenhafte Szenen spielten sich in Le Mans ab, wo man den Frauen, Greisen und Kindern, die sich in den Häusern dieser grossen Stadt versteckt hatten, nachspürte, ihnen dann unter den Augen von Barbotte und Prieur mit Säbeln und Bajonetten die Kleider vom Leib herunterfetzte, die Frauen und Mädchen notzüchtigte und, da deren für die „Blauen“ nicht genügende da waren, auch noch die Leichen schändete. Diese zum Teil nekrophile Orgie endete dann damit, dass man zum Gaudium der Regierungssoldaten aus den Kadavern nach dem Vorbild don Arras „Republikanische Batterien“ zusammenbaute. In Angers hingegen köpfte man die Gehenkten und verlangte von den Ärzten, dass sie die Köpfe präparierten, um sie auf den Zinnen der Stadtmauern aufzupflanzen. Da aber die Ärzte zu langsam arbeiteten, köpfte man schnell noch einen Haufen von Häftlingen, darunter eine 82 Jahre alte, sehr heiligmässige Äbtissin.

In Avranches und in Fougères (Normandie) fanden in den Spitälern höllische Szenen würdig des Pinsels eines Brueghels statt. Dort lagen auch kranke Frauen von Chouans, die geschändet und langsam zu Tode gequält wurden. Einen besonderen Spass fanden die „Blauen“ darin, Schiesspulver in die Scheiden einzuführen und dann zur Explosion zu bringen, eine Praxis, der man auch bei den spanischen „Loyalisten“ in Andalusien wiederbegegnen konnte.

Ein grosses Vergnügen bereitete es den Bleus, die sich selbst colonnes infernales nannten, Frauen und Kinder in Backöfen schmoren zu lassen. Um den sadistischen Genuss jedoch auf die Spitze zu treiben, wurden die Opfer in die kalten Rohre gepresst, die erst dann beheizt wurden.

Und um die Abgründe der menschlichen Widerlichkeit der französischen Revolution noch zu vervollkommnen:

Die Bleus aber waren auch „praktisch“. Sie gerbten die Häute ihrer Opfer (die Männer lieferten besseres Material als die Frauen) und machten daraus Lederschürzen, Reithosen und Bucheinbände. Auch das Fett der Leichen verwendete man, um Seifen für die Spitäler herzustellen.

[…]

Man vergesse doch nicht, dass manches, was uns heute positiv erscheinen mag, uns doch schon vorher der liberale höfische Absolutismus gebracht hatte – Freiheitlichkeit, Intellektualität, Humanität – während die Französische Revolution gerade diese Worte im Munde führte, in der Tat aber brutal auslöschte. Man erinnere sich da nur an die Reaktion Caffinhals der auf den Aufschrei des Verteidigers von Lavoisier: „Sie verurteilen da einen grossen Gelehrten zum Tod!“ ihm kaltblütig antwortete: „Die Republik braucht keine Gelehrten!“ Der gute Mann hatte natürlich recht, denn seit der Französischen Revolution gelten nur die Quantitäten, die Ziffern und Zahlen. Elitäres Reden wird kaum noch gedultet.

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One Comment leave one →
  1. Gast permalink
    31. Dezember 2012 23:43

    … und dann kam Napoleon und der Code Civil. Und der Reichsdeputationshsuptschluss.

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