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Vom Wert der Güter

1. August 2012

Frühe Theorien des Werte, soweit sie Güter betrafen, waren meistens auf den „gerechten Preis“ konzentriert. An der Frage scheiden sich auch heute noch die Geister. Ansonten gäbe es keine Diskussion über den „gerechten Milchpreis“ oder „überzogene Managerboni“. Diese Frage wird in der subjektivistischen Wertlehre der Österreichischen Schulen den beiden Vetragsparteien überlassen (Käufer und Verkäufer).

Ein Vorläufer des Subjektivismus war der hl. Augustinus. In einem während des Mittelalters häufig zitierten Absatz sagt der hl. Augustinus, dass mit Leben erfüllte Dinge in der Ordnung der Natur über den unbelebten stehen, und dass innerhalb der Lebewesen, die intelligenten über den unintelligenten stehen. Und er geht sogar soweit zu sagen, dass die Diskrepanz zwischen dieser „natürlichen“ Rangordnung der Bewertung und jener Wertung durch den Menschen in der Preisstruktur reflektiert wird – wobei die Wertung durch den Menschen auf der Nützlichkeit basiert.

Unter den Wesen nämlich, die irgendwie Dasein haben und nicht sind, was Gott ist, von dem sie erschaffen sind, stehen die mit Leben begabten über den leblosen, das will sagen: die, die Zeugungs- oder auch bloß Strebevermögen haben, über denen, die dieser Triebe entbehren; und unter den Lebewesen stehen die sinnbegabten über den sinnentbehrenden, wie die Tiere über den Bäumen; und unter den sinnbegabten stehen die Vernunftwesen über den vernunftlosen, wie die Menschen über den Tieren; und unter den Vernunftwesen stehen die unsterblichen über den sterblichen, wie die Engel über den Menschen. Diese Überordnung beruht auf der natürlichen Rangordnung. Es gibt indes noch eine andere und sehr mannigfaltige Art der Wertung, die von dem Gebrauchswert der Dinge ausgeht, und nach dieser stellen wir wohl auch sinnentbehrende Wesen über sinnbegabte, ja wir möchten gewisse sinnbegabte Wesen, wenn es in unserer Macht stünde, gänzlich aus der Welt der Dinge ausrotten, weil wir ihren Platz im Gefüge des Ganzen nicht erkennen oder weil wir trotzdem unsere Annehmlichkeit höher stellen. Wer möchte auch in seinem Hause nicht lieber Brot als Mäuse, lieber Geld als Flöhe haben? Aber daran ist weiter nichts Auffallendes, da sogar, wenn der Mensch, dessen Wesen doch von so erhabener Würde ist, bei der Wertung Vergleichsgegenstand ist, in der Regel ein Pferd höher bezahlt wird als ein Sklave, eine Perle höher als eine Magd. Und so ist hinsichtlich des Werturteils ein sehr erheblicher Unterschied zwischen dem Standpunkt der reinen Vernunfterwägung und dem des Bedürfnisses oder des Vergnügens. Jene faßt ins Auge den objektiv gegebenen Rang des Vergleichsgegenstandes innerhalb der Stufenfolge der Wesen, das Bedürfnis dagegen dessen Tauglichkeit als Mittel zum Zweck; Die Vernunft hat es abgesehen auf die Wahrheit, fragt, was dem Geisteslicht als das Wahre erscheint, das Vergnügen dagegen auf die Annehmlichkeit, weshalb hier die Frage lautet: Was schmeichelt den körperlichen Sinnen? Gleichwohl spricht bei den Vernunftwesen Wille und Liebe in der Schätzung ein so gewichtiges Wort, daß man im Widerspruch zu der natürlichen Rangordnung, indem man den Maßstab der Gerechtigkeit zugrunde legt, die guten Menschen über die bösen Engel stellt.

hl. Augustinus, Vom Gottesstaat, XI, 16

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