Institutio IV, Kapitel XVII
Zunächst: die Zeichen beim zweiten Sakrament des Neuen Bundes sind Brot und Wein. Sie stellen uns dar, was wir durch das Fleisch und Blut des Opferlammes Christus erhalten haben. Denn wie uns Gott in der Taufe in die Gemeinschaft seiner Kinder einfügt und durch Aufnahme in die Kindschaft zu den Seinen macht, so gewährt er uns auch immerzu diese Speise, um uns damit in dem Leben zu bewahren, zu dem er uns durch sein Wort geführt hat.
Wenn uns also das Brot, als Zeichen des Leibes Christi, gereicht wird, so müssen wir dabei dieses Gleichnis zu Herzen nehmen: wie das Brot das Leben unseres Körpers nährt und erhält, so ist der Leib Christi die einzige Speise, um unsere Seele zu nähren und lebendig zu machen. Sehen wir, wie uns der Wein als Zeichen des Blutes Christi gereicht wird, so sollen wir bedenken, welcher Nutzen der Wein unserem Körper bringt, und viel wichtiger, dass uns der gleiche Nutzen geistlich durch das Blut Christi zukommt.
Als Christus sagte: ‘Mich habt ihr nicht allezeit bei euch’, da sprach er von seiner physischen Gegenwart, denn nach seiner Majestät, nach seiner Vorsehung und nach seiner unbeschreiblichen Gnade geht in Erfüllung, was er gesagt hat: “Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis zur Vollendung des Zeitalters” (Matthäus 28:20).
Wenn uns aber der Herr hier den Reichtum seiner Güte in der Fülle nicht nur ins Gedächtnis zurückruft, sondern sie gleichzeitig aus seiner Hand in unsere legt, so ermahnt er uns damit auch, seiner überreichen Wohltätigkeit gegenüber nicht undankbar zu sein. Vielmehr sollen wir sie mit dem nötigen Lob preisen und mit Danksagung verherrlichen. Als er daher den Aposteln die Stiftung dieses Sakraments übergab, da lehrte er sie: “Dies tut zu meinem Gedächtnis” (Lukas 22:19). Und Paulus legt das so aus, sie sollten des Herrn Tod verkündigen (1. Korinther 11:26). Das bedeutet aber, dass wir alle öffentlich und aus einem Munde vor aller Welt bekennen sollen, dass für uns die ganze Zuversicht auf die Erlösung und das ewige Leben auf dem Tod des Herrn beruht, damit wir ihn mit unserem Bekenntnis verherrlichen und andere durch unser Beispiel dazu ermuntern, ihm die Ehre zu geben.
Hierbei wird wiederum deutlich, wo der Zweck dieses Sakraments liegt: es soll uns in der Erinnerung an Christi Tod üben. Wenn uns aber Paulus gebietet, ‘des Herrn Tod zu verkündigen’, ‘bis dass er’ zum Gericht ‘kommt’ (1. Korinther 11:26), so bedeutet das nichts anderes, als dass wir aussprechen sollen, was unser Glaube im Sakrament erkannt hat, nämlich dass Christi Tod unser Leben ist!
Eine Frage, die häufig von Baptisten gestellt wird, betrifft die Teilnahme der Kinder am Abendmahl: Wer Kinder tauft, muss sich auch beim Abendmahl zulassen! Doch dabei würde die Vorgabe des Apostels Paulus übergangen werden, wenn er sagt: “Der Mensch aber prüfe sich selbst, und so esse er von dem Brot und trinke von dem Kelch” (1. Korinther 11:28). Das Westminster Bekenntnis sagt dazu generel: “Darum sind alle unwissenden und gottlosen Personen, weil sie unfähig sind, die Gemeinschaft mit ihm zu genießen, auch des Tisches des Herrn unwürdig und können, solange sie solche bleiben, nicht ohne eine große Sünde gegen Christus zu begehen an diesen heiligen Geheimnissen teilnehmen oder zu ihnen zugelassen werden (1. Korinther 11:27-29)”.
Was nun den äußerlichen Brauch des Sakraments betrifft, so macht es nichts aus, ob das Brot gesäuert oder ungesäuert ist, und ob der Wein rot oder weiß ist. Dies sind Dinge ohne entscheidende Bedeutung, die in der freien Entschließung der Kirche stehen. Jedoch ist sicher, dass es der Brauch der Alten Kirche gewesen ist, dass alle das Brot in die Hand empfingen. Auch hat Christus gesagt: “Nehmt diesen [Kelch] und teilt ihn unter euch” (Lukas 22:17). Nach dem Bericht der Geschichtsbücher hat man vor der Zeit des Bischofs Alexander von Rom gesäuertes, gewöhnliches Brot genommen. Alexander ist demnach der erste gewesen, der an ungesäuertem Brot Gefallen gefunden hat.
