Institutio IV, Kapitel XVI
Lieber Leser, lieber Bruder und liebe Schwester in Christus,
bevor Du weiterliest sei gewarnt, dass dieser Artikel die Frucht meines ganz persönlichen Strebens nach Gottes Wahrheit ist. Ich habe Monate lang viel darüber gebetet, das Wort studiert, einige Worte hebräisch und griechisch gelernt, und viele sehr gute Bücher, Artikel und Vorlesungen darüber gelesen bzw. gehört. Ich weiß, dass ich mit meinem Meinungswandel einige meiner Brüder und Schwestern im Tabernacle enttäuscht habe, aber ich musste es tun, denn ich konnte es mit meinem Gewissen vor dem Allmächtigen nicht weiter vereinbaren, die Taufen den Kindern gläubiger Eltern vorzuenthalten. Was ich gelernt habe geht weit über das was im folgenden Artikel steht hinaus. Daher werde ich in den kommenden Wochen, so Gott will, versuchen alles für Dich zusammenzufassen.
Ich möchte all denen – sowohl Reformierten als auch reformierten Baptisten – danken, die mir auch meinem Weg geholfen haben und mir immer mit Gebet, Rat und brüderlicher Diskussion zur Seite standen. Herzlichen Dank an dieser Stelle an Pastor Masters, Pastor Buss, Pastor Vetterli, Haneke, Matthias, Andrew, Sami und meine liebe Gefährtin. Möge Gott Euch segnen.
Doch nun zum strittigen Punkt: Viele behaupten, die Kindertaufe sei keine Bestimmung Gottes, sondern von einigen erfunden und dann von der Kirche unbedacht fortgeführt worden. Stimmt das etwa? Wenn ja, müssen wir davon ablassen, denn dann geht sie gegen Gottes Entscheid. Sehen wir uns deshalb einmal die Entstehung der Kindertaufe an.
Der Unterschied zwischen Paedobaptisten (Kindertäufer) und Credobaptisten (Gläubigentäufer) bei der Tauffrage ist, dass die einen beim Betrachten der Taufe nicht nur die äußere Zeremonie in Betracht zu ziehen (so wie es die Baptisten tun), sondern und vor allem auch auf die Verheißung der Taufe zu blicken. Wer dies nicht tut, wird weder Kraft noch Wesen der Taufe verstehen, denn diese weist uns auf vier Aspekte hin:
- Die Reinigung der Sünden
- Den Tod und das neue Leben in Christus
- Die Gemeinschaft mit Christus
- Die Bekundung der Religion nach außen
Mein persönliches Problem, das ich mit dem Bild der Taufe im Baptismus habe, ist die Diskontinuität des Bundes. Als Naturwissenschaftler der die physikalischen Gesetze Gottes erforscht tue ich mich sehr schwer mit unsteten Funktion, da sie ganz und gar der Natur und damit Gottes Schöpfung widersprechen. Was tun? Da die unfehlbare Regel der Auslegung für die Schrift die Schrift selbst ist (2. Petrus 1:20-21), müssen wir die ganze Bibel in Betracht zu ziehen, um das Bild der Taufe zu begreifen.
So fängt nun Calvin an zu sagen, vor der Einrichtung der Taufe stand die Beschneidung an deren Stelle, und will untersuchen, welcher Unterschied zwischen ihnen besteht. Als Gott Abraham den Auftrag gab, Knaben zu beschneiden, da sagt er ihm vorweg, er wolle der sein Gott und der Gott seiner Nachkommen sein (Genesis 17:7,10). Damit verspricht er ihnen das ewige Leben. Paulus verkündet zu den Ephesern, aus was für einem Verderben der Herr sie befreit hatte, und aus der Tatsache, dass sie zum Bund der Beschneidung keinen Zugang hatten schließt er, dass sie damals “ohne Christus”, “ohne Gott”, “ohne Hoffnung” und fremd der Veheißung gewesen sind (Epheser 2:12). Der erste Zugang zu Gott besteht nun in der Vergebung der Sünden. Nachher legt Gott Abraham die Verpflichtung auf, in Aufrichtigkeit und Unschuld des Herzens “vor ihm zu wandeln” (Genesis 17:1) – das steht für die Abtötung und die Wiedergeburt. Moses verkündet darüber hinaus, dass das Volk an seinem Herzen beschnitten werden muss. Und damit keiner auf den Gedanken kommt, dies aus eigener Kraft tun zu können, lehrt er gleichzeitig, dass die Herzensbeschneidung ein Werk der Gnade Gottes ist (Deuteronomium 30:6).
Die Verheißung von der hier die Rede ist, ist die der Vergebung der Sünden und des ewigen Lebens. Beides, sowohl die Taufe als auch die Beschneidung, sind Bilder der Wiedergeburt, lediglich die äußere Zeremonie ist unterschiedlich. Wie für die Juden einst der erste Schritt in die Kirche in der Beschneidung bestand, durch die sie die Gewissheit erlangten, dass sie in Gottes Volk eingebunden wurden, und ihm ihrerseits versprachen Gott nachzufolgen, genauso werden wir durch die Taufe in Gottes Volk aufgenommen und versprechen ihm Gehorsam.
Denn der Herr bekundet doch ausdrücklich, dass die Beschneidung eines Knabens einem Siegel gleicht, um die Verheißung des Bundes zu versiegeln. Ist nun Gott auf ewig der selbe (Jakobus 1:17), so bleibt auch sein Bund ewig fest und unerschütterlich. Das bedeutet dann aber auch, dass dieser Bund heute den Kindern der Christen nicht weniger zukommt, als er es im Alten Testament bei den Juden der Fall war. Und wenn Kinder nun teilhaben an der im Zeichen veranschaulichten Sache, weshalb sollen sie dann nicht auch am Zeichen selbst teilhaben?
So wurden die Kinder der Juden, weil sie zu Erben des Bundes gemacht wurden, von den Kindern der Gottlosen unterschieden und deshalb als “heiliger Same” bezeichnet (Esra 9:2). Und eben aus dem selben Grund gelten Kinder der Christen als heilig, selbst wenn nur einer der Eltern wiedergeboren wurde. Denn nach dem Zeugnis des Apostels sind Kinder von gläubigen Eltern, auch wenn nur ein Teil von ihnen gläubig ist, “heilig” im Sinne von “abgesondert” (1. Korinther 7:14). Calvin bringt die Lehre dieses Bundes auf den Punkt wenn er sagt:
Sonst nämlich, wenn das Zeugnis, vermöge dessen die Juden über das Heil ihres Samens Gewissheit bekamen, uns entrissen würde, hätte Christi Kommen die Wirkung gehabt, daß Gottes Gnade für uns dunkler und schwächer bezeugt wäre, als sie es früher für die Juden war.
Christus fügt dem Gebot, man solle ihm die Kinder bringen, die Ursache hinzu: “Denn solcher ist das Himmelreich” (Matthäus 19:14). Danach legt ihnen Christus die Hände auf, segnet sie und betet für sie. Wenn es also recht ist, Christus die Kinder zuzuführen – weshalb dann nicht auch, sie zur Taufe zuzulassen?
Ein Argument, wenn nicht das Hauptargument, der (reformierten) Baptisten ist nun, dass die Evangelisten und selbst die Apostel nirgends ausdrücklich von einer Kindertaufe berichten. Auf der anderen Seite werden jedoch werden Kinder bei Familientaufen nicht ausgeschlossen. Wer will nun also daraus schlussfolgern, dass Kinder nicht getauft wurden?
Wenn solche Beweisgründe etwas gelten sollten, so müßten in gleicher Weise auch die Frauen vom Abendmahl des Herrn ausgeschlossen werden, weil wir nirgendwo zu lesen bekommen, daß sie zur Zeit der Apostel dazu zugelassen sind (Apostelgeschichte 16:15.32).
Baptisten geben sich Mühe, die Taufe von der Beschneidung zu trennen. So behaupten sie, es würden hier
- verschiedene Dinge bezeichnet. Beschneidung sei ein Zeichen der Abtötung, nicht aber der Taufe,
- der Bund sei ein völlig anderer,
- der Ausdruck ‘Kinder’ sei nicht in gleichem Sinne gebraucht.
Darauf antwortet Calvin:
- Das geben wir mit größter Bereitwilligkeit zu! Denn wir sagen ja, dass Taufe und Beschneidung Zeichen der Abtötung sind. Daher stellen wir fest, dass die Taufe an Stelle der Beschneidung getreten ist.
- Wenn nun die Beschneidung unter dem Buchstaben des Alten Testaments stand, dann muss das zwangsläufig auch für die Taufe gelten. Denn der Apostel Paulus erklärt uns in Kolosser 2:11-12, dass wir in Christus beschnitten seien “mit einer Beschneidung, die nicht mit Händen geschieht”, durch Ablegung des sündigen Leibes, und die Beschneidung nennt er die “Beschneidung des Christus”. Dann fügt er hinzu, wir seien “mit ihm begraben in der Taufe”. Was will Paulus nun mit diesen Worten anders sagen, als dass die Erfüllung und die Wahrheit der Taufe zugleich die Wahrheit und die Erfüllung der Beschneidung ist?
Einerseits wurden die Juden als “Königreich von Priestern” bestimmt, eine “heilige Nation” (Exodus 19:6), andererseits gilt dieser Besondere Status auf für gläubige Christen, deren Kinder “heilig” sind (1. Korinther 7:14)! - Sie sagen, die Bezeichnung ‘Kinder’ stehe im Alten Testament für diejenigen, die ihren [genetischen] Ursprung in Abraham haben, während sie im Neuen Testament für die steht, die seinem Glauben nachfolgen. Doch die Schrift lehrt uns, dass der Herr Abraham einen zukünftigen Samen verheißt, in dem “alle Völker der Erde gesegnet werden sollen”, und gleichzeitig gibt er ihm die Zusage, sein Gott und der Gott seines Samens sein zu wollen (Genesis 12:3; 17:6). Alle, die nun Christus als den Geber solchen Segens im Glauben annehmen, die sind Erben dieser Verheißung und deshalb ‘Kinder Abrahams’.
Desweiteren räumt der Apostel in Römer 9:7-8 ein, dass nicht alle Nachkommen Abrahams auch gleichzeitig seine Kinder sind, sondern nur “die Kinder der Verheißung”. Denn das Heil hängt von Gottes Barmherzigkeit ab, mit der er begegnet, wem er will (Römer 10:15-16). Wenn ein Jude nun nicht das Gesetz des Bundes einhält – dem Wort gehorcht -, kann er sich auch nichts auf seinen Bund einbilden.
Und was fangen wir nun an mit Römer 15:8, wo es heißt: “Denn ich sage, daß Christus ein Diener der Beschneidung geworden ist um der Wahrheit Gottes willen, um die Verheißungen der Väter zu bestätigen”? Das genau ist doch der Bund, der mit Abraham geschlossen wurde.
Wir halten also fest, dass die Tatsache, dass die Kindertaufe nirgends explizit erwähnt wird, nicht bedeutet, dass sie nicht auch ausgeführt werden soll – schließlich findet sich der Begriff ‘Dreifaltigkeit’ auch nirgends in der Heiligen Schrift. Was also sagen, zu dem Argument, dass zu apostolischen Zeiten lediglich Leute getauft wurden, die Buße taten und sich darauf hin taufen ließen (Apostelgeschichte 2:37-38)? Nun, die Menschen, denen Petrus und Philippus eben diese Worte sagen, erwachsen sind, also in einem Alter in dem es möglich ist nach Buße zu trachten. Anders sieht es bei den Kindern aus, denn, so schreibt Calvin:
Wenn sich in alter Zeit jemand an Israel anschloß, um mit ihm Gemeinschaft an der Religion zu haben, so mußte er im Bunde des Herrn unterwiesen und im Gesetz unterrichtet werden, ehe er das Zeichen der Beschneidung empfing, weil er nach seiner Herkunft ein Ausländer war, das heißt ein Fremdling gegenüber dem Volke Israel, mit dem der Bund geschlossen worden war, den die Beschneidung bekräftigte.
Das Konzept der Baptisten: Höre/lese das Evangelium – erkenne deine Sünden – tue Buße – lass dich taufen, lässt sich pauschalisieren zu: Lernen – verstehen – handeln. Und dies ist ja schließlich keine Erfindung des Neuen Testaments, sondern der Ablauf findet sich schon bei Abraham in Genesis wieder. So kündigt Gott ihm zunächst an, was für einen Bund er mit ihm schließen will (Genesis 15:1), und dann, nachdem er Glaube der Verheißung geschenkt war, lehrt ihn der Herr über die Beschneidung (Genesis 17:11). Also wieder: lernen – verstehen – handeln. Wieso sollte das nun ein Argument für die Kindertaufe sein? Genau deshalb weil, die Beschneidung schon im nächsten Glied, namentlich in Isaak, jeglicher Kenntnis, geschweige denn Glaubens, vorausgeht.
Es war recht und billig, dass einer, der erst im Erwachsenenalter in die Gemeinschaft des Bundes aufgenommen wurde, mit dem er bis dahin nichts zu tun gehabt hatte, zuvor dessen Bedingungen gründlich kennenlernte, während es dagegen mit dem Kinde, das von ihm stammte, nicht ebenso bestellt war, denn es war ja kraft Erbrechts, nach der gegebenen Form der Verheißung schon vom Mutterleibe an in den Bund eingeschlossen.

Taufe hat nichts mit dem Alter zu tun. Es gibt keine Erwachsenentaufe. Es gibt keine Kindertaufe. Es gibt keine Säuglingstaufe. Seid wann hat die Taufe in der Bibel etwas mit dem Alter zu tun?
Hi Danny,
da hast Du ganz Recht, die Taufe hat primaer nichts mit dem Alter zu tun.
Die Frage ist aber: Was sind die Voraussetzungen fuer die Taufe? Petrus sprach zu den Leuten: “Tut Busse, und jeder von euch lasse sich taufen” (Apostelgeschichte 2:38). Wenn das der Massstab fuer die Taufe ist – Busse zu, um sich taufen zu lassen – was ist dann mit denen, die nicht Busse tun koennen, weil sie (noch) nicht die intellektuelle Kapazitaet haben, Busse zu tun. Oder was ist mit denen, die nicht glaeubig sind und daher nicht in der Lage sind Busse zu tun, weil sie sich ihrer Suende nicht bewusst sind?
Diese Ansicht habe ich bisher vertreten und war daher Baptist (-> Taufe ist ein Zeichen nach aussen, dass man wiedergeboren ist und Christus als seinen Herrn und Erloeser akzeptiert). Der Bund Gottes (“Ihr sollt mein Volk sein, und ich will euer Gott sein”) ist demnach lediglich mit wiedergeborenen Individuen.
Das widerspraeche jedoch dem gesamten Alten Testament, in dem der HERR seine Buende immer mit Familien bzw. Haushalten geschlossen hat, und daher (maennliche) Saeuglinge dieser Buende, die ja noch nicht zur Busse faehig waren, dennoch das Bundeszeichen der Beschneidung erhielten. Und dieses Zeichen ist nun die Taufe.
Hat das Deine Frage beantwortet?
Super, Tom
Du folgst also auch hier Calvins Lehre. Das heisst, es ist nicht ‘Calvins’ Lehre, sondern die der Bibel. Mir ist gerade in diesem Kapitel der Institutio wieder aufgefallen, wie Calvin bemüht ist, biblisch zu argumentieren und nicht philosophisch, wie seine Gegner ihm so oft vorwerfen.
Die Taufe von Kindern gläubiger Eltern ist tatsächlich eine biblische Lehre, auch wenn sie nicht so explizit gelehrt ist. Die ‘Tauf-Stellen’ in der Apostelgeschichte und im 1.Kor nötigen allerdings zu der Annahme, dass bei den ‘Haustaufen’ Kinder mit inbegriffen waren. Sonst hätten die Autoren nicht den Begriff Haus verwendet.
Wie Du ausserdem richtig bemerkt hast, hat Gott seinen Bund immer mit Familien geschlossen, d.h. die Kinder mit einbezogen. Man stelle sich nun einmal vor, wie das (zur Zeit der Apostel) auf einen Vater gewirkt hätte, wenn er den Glauben an Jesus angenommen hatte und sich mit seinen Nachkommen taufen lassen wollte (wie er das vom Bundeszeichen der Beschneidung her kannte) und die Apostel ihm gesagt hätten: “Sorry, aber die Kinder sind nun nicht mehr im Bund inbegriffen.”
Das wäre so ein krasser Bruch mit dem bisherigen Verständnis des Bundes gewesen, dass sich das im NT niederschlagen würde.
Hallo Kurt,
nur einmal eine kritisch hinterfragende Anmerkung: Wenn die Kindertaufe “biblisch” wäre, warum wird sie dann nicht explizit in der Schrift erwähnt? Warum gibt es dann keine unzweideutige Aussage zu dem Thema? Deine Aussagen wie “nötigen allerdings zu der Annahme, dass bei den ‘Haustaufen’ Kinder mit inbegriffen waren….” und “man stelle sich nun einmal vor, wie das (zur Zeit der Apostel) auf einen Vater gewirkt hätte, wenn …” sind doch reine Annahmen, bzw. Vermutungen und haben keine fundierte Grundlage in der Schrift…
Hinterfragende Grüße,
Maria
Hallo Maria
Es gibt verschiedene Themen, die ebenso wie die Frage, wer genau in welchem Alter zur Taufe zugelassen ist, nicht explizit erwähnt werden (es gibt ja übrigens auch keine einzige Aussage darüber, dass nur mündige Gläubige, resp. Wiedergeborene getauft werden sollen).
Bei solchen Themen muss dann von grundsätzlichen Aussagen und Voraussetzungen abgeleitet werden, was zu tun ist.
Ein Beispiel: Es wird nirgends erwähnt, dass Frauen zum Abendmahl zugelassen werden sollen, auch gibt es keine Erwähnung in der Schrift, dass je eine Frau das Abendmahl erhielt. Dennoch erhalten Frauen in unseren Gemeinden mit Recht das Abendmahl. Wie begründen wir das? Wir leiten unsere Praxis von allgemeinen Prinzipien ab, die wir in der Schrift finden. Zum Beispiel wird das Abendmahl vom Herrn eingesetzt mit den Worten: “Dies tut zu meinem Gedächtnis”; es gibt also ein Gebot, es zu nehmen. Weiter wird nirgends gesagt, dass Frauen es nicht nehmen dürfen. Es gibt lediglich die Einschränkung, dass wer das Mahl einnimmt, es von einem profanen Essen unterscheiden muss. Das schliesst dann z.B. meines Erachtens Kinder aus, die kognitiv und/oder geistlich nicht reif sind, diese Unterscheidung zu treffen. Ebenso schliesst diese Einschränkung Ungläubige aus. usw.
Bei der Taufe finden wir solche Einschränkungen nicht, die (Klein-)Kinder betreffen würden. Im Gegenteil finden wir Aussagen, die Kinder von gläubigen Eltern in den Bund Gottes einschliessen (z.B. 1Kor 7), wir finden auch Verse, die auf die Fortführung des Bundeszeichens der Beschneidung in der Taufe schliessen lassen (z.B. Kol 2) und wir finden die sehr wahrscheinliche Praxis der Kindertaufe durch die Apostel (fast die Hälfte aller Berichte über eine Taufe im NT sind Haustaufen – insges. fünf in Apg und Kor – und ‘oikos’ ist im NT nun einmal gleichbedeutend mit Familie). Wir finden aussserdem bei den Berichten über diese Familientaufen die Erwähnung, dass eine Person glaubte (z.B. der Gefängniswärter) und dass daraufhin sein/ihr Haus mit ihm/ihr getauft wurde.
Ein weiterer Grund, warum der Frage des rechtmässigen Empfängers der Taufe im NT nicht mehr Aufmerksamkeit gewidmet wird, ist wohl der Umstand, dass die Taufpraxis wirklich nicht so ein zentrales Thema sein sollte. Das ist jedenfalls ein Statement von Paulus (1Kor 1,17).
Hallo Kurt,
vielen Dank für Deine Ausführungen. Deiner letzten Aussage kann ich mich voll und ganz anschließen, dass die Taufpraxis kein so zentrales Thema sein sollte.
vg Maria
Da muss ich doch höflichst aber nachdrücklich widersprechen.
Wenn die Taufe Zeichen und Siegel des Gnadenbundes ist, also der “Stempel” auf einem Menschen, der besagt, dass er zum Volk Gottes, seiner Gemeinde, gehört und ihm daher die mannigfaltigen Verheißungen Christi zustehen, dann ist die Tauflehre m.E. ziemlich nahe am Herzen des Evangeliums!
So haben es jedenfalls auch die Reformatoren und die ersten paar Generationen der protestantischen Christen gesehen (übrigens auf beiden Seiten: der kindertäuferischen und der täuferischen Seite!) und waren deshalb bereit dazu, Notfalls ihr Leben zu lassen in der Auseinandersetzung über die Tauffrage.
Ich plädiere nicht dafür, dass Baptisten und Kindertäufer sich gegenseitig umbringen, aber ich behaupte, dass sich an der Tauffareg letztlich unser gesamtes Verständnis des Evangeliums sowie der Kirche entscheidet. DESHALB ist die Tauffrage ungemein wichtig und zentral (und das auch wund gerade, wenn wir die Taufe nicht im Sinne der katholischen oder lutherischen Sakramentenlehre verstehen, in der der Getaufte auch tatsächlich und sicherlich gläubig ist). Ende des Widerspruchs.