Institutio IV, Kapitel XV
Die Taufe ist ein Zeichen der Einweihung durch das wir in die Gemeinschaft der Kirche aufgenommen werden und dient, nach dem Willen Gottes, zwei Zwecken, nämlich denen, dass wir unseren Glauben:
- vor Gott, und
- vor den Menschen
bekennen. Die Taufe ist nämlich ein Zeichen, mit dem öffentlich bekennen, dass wir zum Volk Gottes gehören wollen, dass wir mit allen Christen zur Verehrung des einen Gottes und zu einer Religion in Eintracht verbunden sind. Dazu müssen wir sie aus der Hand ihres Gebers nehmen und die Gewissheit haben, dass er es ist, der durch das Zeichen zu uns redet, dass er es ist, der uns von unseren Sünden reinigt und die Erinnerung an unsere Schuld austilgt, und dass er es ist, der uns an seinem (Christi) Tod teilhaben lässt. Er ist es auch, der dem Satan das Reich wegnimmt und der mit uns in eins zusammenwächst, so dass wir als Kinder Gottes gelten.
Darüber hinaus leistet die Taufe einen dreifachen Dienst.
- Sie soll uns eine Erinnerung und ein Beweis Gottes unserer Reinigung von den Sünden sein, und dass alle unsere Sünden, auch die nachfolgenden, für immer ausgetilgt sind.
- Sie zeigt uns unsere Abtötung in Christus und das neue Leben in ihm.
- Sie bezeugt uns, dass wir Christus geeint sind, auf dass wir an allen seinen Gütern teilhaben.
Reinigung von den Sünden
So ist es also zu verstehen wenn Paulus meint, Christus sei “reinigend durch das Wasserbad im Wort” (Epheser 5:26) oder wenn es heisst: “errettete er uns, nicht aus Werken, die, in Gerechtigkeit [vollbracht], wir getan hatten, sondern nach seiner Barmherzigkeit durch die Waschung der Wiedergeburt und Erneuerung des Heiligen Geistes.” (Titus 3:5). Denn unsere Errettung ist nicht durch das Wasser an sich, schon gar nicht hat das Wasser die Kraft, uns die Wiedergeburt zu verschaffen! Allein das Evangelium verkündet uns die Botschaft von unserer Reinigung, allein der Glaube an Christus als den Erlöser kann errettet – durch die Taufe wird dieses Zeugnis dann schlussendlich versiegelt. Denn auch Petrus sagt, die Taufe sei nicht die Ablegung der Unreinheit des Fleisches, sondern ein gutes Gewissen vor Gott (1. Petrus 3:21), dieses geht aber folgt aus dem Glauben [Anm.: Dieser Vers wurde unterschiedlich übersetzt, entweder als "Bund eines guten Gewissens" (Luther), "Antwort eines guten Gewissens" (King James, Schlachter) oder eben als "Bitte um ein gutes Gewissen" (Elberfelder). Einmal folgt die Taufe also auf ein gutes Gewissen, ein andermal geht sie ihr voraus. Da ich kein Griechisch kann, schliesse ich mich hier der Mehrheit der Übersetzungen an, bin aber für erklärende Hilfe sehr dankbar.]
Abtötung und neues Leben
“Oder wißt ihr nicht, daß wir, so viele auf Christus Jesus getauft wurden, auf seinen Tod getauft worden sind? So sind wir nun mit ihm begraben worden durch die Taufe in den Tod, damit, wie Christus aus den Toten auferweckt worden ist durch die Herrlichkeit des Vaters, so auch wir in Neuheit des Lebens wandeln.” (Römer 6:3-4). Mit diesen Worten sagt uns der Apostel quasi, würden durch die Taufe dazu ermuntert, nach dem Vorbild des Sterbens Christi für unsere Begierden zu sterben, also tot für sie zu sein, auf dass sie keine Wirkung mehr auf uns haben. Sind wir Christen, so müssen wir auch der Sünde “gestorben sein” und “der Gerechtigkeit leben” (Römer 6:11).
Einigung in Christus
Christus hat sich selbst taufen lassen, dass sie nun das festeste Band der Gemeinschaft zwischen uns und ihm sei. So sagt auch Paulus, dass wir in der Taufe “Christus angezogen” haben und nun Gottes Kinder sind (Galater 3:26-27).
Ursache unserer Reinigung und unserer Wiedergeburt ist Gott der Vater, ihr Wirkgrund ist in Christus und ihre Wirkung ist im Heiligen Geist. So hat zuerst Johannes, später auch die Apostel mit der “Taufe der Busse zur Vergebung der Sünden” getauft (Matthäus 3:6.11; Lukas 3:3.16; Johannes 3:23; 4:1; Apostelgeschichte 2:38.41).
Gibt es nun aber einen Unterschied zwischen der Taufe des Johannes und der Taufe der Apostel? Wer danach fragt, wird keinen anderen finden als den, dass Johannes auf den taufte, der da kommen sollte, die Apostel hingegen auf den, der sich bereits offenbart hatte (Lukas 3:16; Apostelgeschichte 19:4).
Und was hat es nun zu bedeuten, wenn Johannes sagte, er taufe zwar mit Wasser, Christus aber werde mit dem Heiligen Geist und Feuer taufen (Matthäus 3:11)? Die Antwort ist, dass er sich verglich mit Christus verglich und darlegte, wie er seinen Dienst mit Wasser tat, Christus dagegen der Geber des Heiligen Geistes war.
Streitpunkte mit Anabaptisten
Was antwortet man einem, der meint, unsere Taufe sei ohne Gültigkeit, da sie nur dann gilt, wenn Wort und Verheissung im Glauben angenommen werden? Calvin schreibt hierzu:
Wir waren [zum Zeitpunkt unserer Taufe] allerdings blind und ungläubig und haben lange Zeit hindurch die Verheissung, die uns in der Taufe gegeben war, nicht festgehalten. Die Verheissung selbst aber war von Gott und ist deshalb allezeit unerschüttert, fest und wahrhaftig geblieben. Denn obwohl alle Menschen lügenhaft und treubrüchig sind, so hört doch Gott nicht auf, wahrhaftig zu sein (Römer 3:3-4).
Und wie ist es mit den Leuten, die Paulus wiedergetauft hat, die die Taufe des Johannes schon einmal empfangen hatten (Apostelgeschichte 19:3-5)? Nun, was bedeuten denn die Worte: “Als sie es aber gehört hatten, ließen sie sich auf den Namen des Herrn Jesus taufen” (Apostelgeschichte 19:5)? Wohl doch nicht mehr, als dass sie durch Auflegung der Hände die Taufe des Heiligen Geistes, das heisst die sichtbaren Gnadengaben des Geistes, erhielten. Es ist ja nichts besonderes, dass diese Gaben mit dem Namen “Taufe” bezeichnet werden (Apostelgeschichte 1:5; 11:16). Da passt dann auch, dass Paulus ihnen die Hände auflegt und der Heilige Geist auf sie kommt (Apostelgeschichte 19:6).
Taufmodus
Es ist macht keinen Unterschied, ob der Täufling ganz untergetaucht wird, ob das einmal oder dreimal geschieht, oder ob man ihn bloss mit Wasser übergiesst und damit besprenkelt. Dass muss, so Calvin, nach der der Verschiedenheit der Länder den Kirchen freistehen. Allerdings bedeutet das Wort “taufen” an sich soviel wie “untertauchen”. Desweiteren steht fest, dass die Alte Kirche am Brauch des Untertauchens festgehalten hat.
