Institutio III, Kapitel XXV
Gewiss hat Christus den Tod besiegt und uns durch die Erleuchtung mit dem Evangelium das „Leben ans Licht gebracht”, wie Paulus im 2. Timotheus 1:10 bezeugt. Deshalb heißt es ja auch, dass wir durch den Glauben „vom Tode zum Leben durchgedrungen” sind (Johannes 5:24). Doch damit uns unsere weltliche Reise nun nicht beschwerlich fällt, betont Calvin das Wesen der Hoffnung. Denn wir richten unsere Hoffnung ja auf das, „was wir nicht sehen” (Römer 8:25), und der Glaube ist, wie es an anderer Stelle heißt, ein Nichtzweifeln unsichtbarer Dinge (Hebräer 11:1). Solange wir also, um in den Worten Calvins zu bleiben, in den Kerker unseres Fleisches eingesperrt sind, „wandeln wir ferne vom Herrn” (2. Korinther 5:6). Aus diesem Grund sagt Paulus an anderer Stelle: „Denn ihr seid gestorben, und euer Leben ist verborgen mit Christo in Gott. Wenn aber Christus, euer Leben, sich offenbaren wird, dann werdet ihr auch offenbar werden mit ihm in der Herrlichkeit.” (Kolosser 3:3-4). Das ist nun also unser Stand, dass wir „züchtig, gerecht und gottselig leben in dieser Welt und warten auf die selige Hoffnung und Erscheinung der Herrlichkeit des großen Gottes und unsers Heilandes, Jesu Christi,” (Titus 2:12-13).
Und um uns noch schärfer anzuspornen, nennt Paulus Christi zweites Kommen „unsere Erlösung” (Römer 8:23). Es ist natürlich richtig, dass unsere Auferstehung bereits vollkommen erfüllt ist, aber weil Christus einmal für die Sünden geopfert ist (Hebräer 10:12), so wird er ein anderes Mal, jenen, die auf ihn warten, ohne Sünde zur Seligkeit erscheinen (Hebräer 9:28). Was uns auch für Sorgen belasten mögen, so soll uns doch diese Erlösung bis zu ihrer (sichtbaren) Auswirkung aufrechterhalten.
Damit sich nun keine Frage hinsichtlich der Auferstehung Christi überbleibt, wollen wir jetzt einmal sehen, was die Schrift genau dazu sagt. Doch zuvor noch erst noch eines der zynischen Kommentare Calvins, die uns zeigen, dass er vor fast 500 Jahren mit ähnlichen Problemen zu kämpfen hatte, wir wir heute:
Naseweise Leute werden die von den Evangelisten berichteten Geschichten wie ein Kindermärchen verlachen. Denn was soll auch eine Botschaft für Bedeutung haben, die erschrockene Weiber überbringen und die dann von fast verzagten Jüngern bestätigt wird? Warum hat Christus nicht lieber mitten im Tempel oder auf dem Markte die herrlichen Trophäen seines Sieges aufgerichtet? Warum trat er nicht in grausiger Erscheinung dem Pilatus entgegen? Weshalb erweist er sich nicht den Priestern und dem ganzen Jerusalem als der, der wieder zum Leben gekommen ist?
Wie kann uns die Glaubwürdigkeit der Jünger Christi nur zweifelhaft sein, wo sie doch das, was sie von den Frauen hörten, für eine erfundene Geschichte hielten, bis sie sich selbst greifbar von der Tatsache überzeugen konnten? Das Grab Jesu wird versiegelt, Wächter halten die Wache – und am dritten Tage findet man keinen Leichnam mehr drin (Matthäus 27:66; 28:11). Da besticht man die Kriegsknechte mit Geld und nun verbreiten sie das Gerücht, die Jünger hätten Jesu Leichnam gestohlen (Matthäus 28:13.15). Als ob die Jünger das Geld gehabt hätten, eine Schar von Kriegsknechten zusammenzubringen oder als ob ihnen Waffen zur Verfügung gestanden hätten! Indessen erschallte die Stimme der Engel: „Er ist nicht hier; er ist auferstanden.” (Lukas 24:6). Später aber machte Christus selbst allem Zweifel, der noch bestehen mochte, ein Ende (Lukas 24:38). Mehr als einmal haben ihn die Jünger gesehen, auch seine Füße und Hände haben sie betastet (Lukas 24:40; Johannes 20:27), und ihr Unglaube hat dazu sogar dazu gedient, unseren Glauben zu stärken. In ihrem Kreis redete Christus von den Geheimnissen des Reiches Gottes, und schließlich ist er vor ihren Augen in den Himmel aufgestiegen (Apostelgeschichte 1:3.9). Aber das ganze wurde ja nicht nur von den elf Aposteln gesehen, sondern er ist auch von mehr als fünfhundert Brüdern auf einmal gesehen worden (1. Korinther 15:6). Nun sandte er ihnen den Heiligen Geist und gab dadurch nicht nur einen Beweis, dass er lebte, sondern auch, dass er die höchste Herrschaft innehält.
