Institutio III, Kapitel XXII
Wenn Paulus lehrt, dass wir in Christus erwählt worden sind vor Schaffung der Welt (Epheser 1:4), hebt er damit sicherlich jede Rücksicht auf unsere Würdigkeit auf. Denn wie hätten wir uns jemals vor Gott als würdig erweisen können, bevor er das Universum erschuf, geschweige denn, wir geboren wurden? Es ist so als ob er sagen würde: Der himmlische Vater fand in allen Nachkommen Abrahams nichts was seiner Erwählung würdig gewesen wäre, deshalb hat er seinen Blick auf seinen Christus gerichtet, um gewissermaßen aus seinem Leib die einzelnen Glieder zu erwählen, die er durch das Geschenk des Glaubens ins ewige Leben aufnehmen wollte. Bei den Gläubigen soll also dieser Grund gelten: wir sind deshalb in Christus zum himmlischen Erbe als Kinder angenommen, weil wir uns selbst einer solchen Würde niemals als würdig erwiesen hätten können.
Das bemerkt Paulus ebenfalls an einer anderen Stelle: da ermahnt er nämlich die Kolosser zur Danksagung und zwar deshalb, weil sie von Gott aus „tüchtig gemacht” (befähigt) worden sind, an dem „Erbteil der Heiligen” teilzuhaben (Kolosser 1:12). Wenn nun dieser Gnade Gottes, dass wir nämlich die Herrlichkeit des zukünftigen Lebens erlangen dürfen, die Erwählung vorausgeht, was wird Gott dann selber bei uns finden, das Ihn dazu bewegen könnte, uns zu erwählen? Noch deutlicher findet sich das, was Calvin in Auge hatte, in einem anderen Wort des Apostels: „Wie er uns denn erwählt hat durch denselben, ehe der Welt Grund gelegt war, daß wir sollten sein heilig und unsträflich vor ihm in der Liebe; und hat uns verordnet zur Kindschaft gegen sich selbst durch Jesum Christum nach dem Wohlgefallen seines Willens” (Epheser 1:4-5). Hier stellt er Gottes Wohlgefallen jeglichen Verdiensten von unserer Seite entgegen!
